Jürgen  Beineke
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Homepage eines zornigen Bürgers


Chemnitz & Co: Der Missbrauch

6. September 2018

Eine Armada einseitiger politischer und medialer Akteure missbraucht die Ereignisse für ihre unsäglichen PR-Kalauer. Schlagwort und Ablenkung statt politische Gestaltung: »zivilgesellschaftliches Engagement« statt Umsteuerung hin zu sozialer Gerechtigkeit!

Mit diesem Trick fordern sie auf Umwegen, über Bande gewissermaßen, eine indirekte Solidarisierung der Bevölkerung mit der verkommenen Politik vergangener Jahrzehnte ein, die eben genau diese Bevölkerung zu Geiseln der globalen monetären Herrscher machte.

Die ganz große Abzocke soll weitergehen: Zwischen 2010 und 2015 ist das Guthaben der etwa 600 reichsten Personen der Welt um gut 40 Prozent gestiegen.


Die Auflösung gesellschaftlicher Strukturen und des gesellschaftlichen Zusammenhalts erfolgen nicht, weil neue, Akteure die Bühne betreten haben, populistische zumal. Die sind lediglich Reaktion auf die voraufgegangene sakrosankte „alternativlose“ neoliberale Politik des „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“, die in Wahrheit deren Nährboden, besser deren Mistbeet, war und ist. Sie ist also das systemische Resultat dieser Politik, das die Damen und Herren dieses Kartells zu verantworten haben.

[Siehe auch: Nach Chemnitz: Neue Umfrage sieht AfD als stärkste Partei im Osten

Das eigentliche Thema ist also die massive Politikverdrossenheit der Bürgerinnen und Bürger schlechthin, das jetzt aber auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, auch Nazis, fokussiert wird. – Wie praktisch, das erspart den agierenden Politikern und deren mediale PR-Truppe die systemische Analyse, was das alles mit ihnen zu tun hat.

Auch ich habe das Dilemma, mich von den „etablierten Alt-Parteien“ nicht wahrgenommen zu fühlen und zugleich Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, auch Nazis, zum Kotzen zu finden.

Dennoch verurteile ich die einseitige Fixierung der Politikverdrossenheit auf die Themen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Nazis, da sie die systemischen Ursachen, dem signifikanten Bedingungsgefüge dieser „Symptome“ ganz sicher auch gewollter Maßen ausblendet. Ein Trick: Damit hat man den Michel gut beschäftigt, wie auch schon mit der Migrationsdiskussion seit 2015, die ganz offensichtlich primär die Aufgabe hat, von den eigentlichen Schweinereien, mit denen Sie selbst Menschen millionenfach zu Flüchtlingen gebombt haben, abzulenken.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat uns in diesem Sinne soeben wissen lassen: Nicht soziale Ungerechtigkeit ist die Mutter aller Probleme, sondern Migration sei es. – Der Mann hat nicht alle Tassen im Schrank!  

Horst Seehofer: bizarres Beispiel grandioser Verblendung eines Politikers!

Bürgerinnen und Bürger, die an ihre Vernachlässigung und an angezettelte Kriege kritisch erinnern, werden als störende Nestbeschmutzer diffamiert, und die Armada der Verursacher dieser Politikverdrossenheit missbraucht die Ereignisse in Chemnitz für ihre unsäglichen PR-Kalauer. Eine raffinierte Methode: Wer möchte sich schon nachsagen lassen, sie oder er toleriere Rassismus und Nazis, unterstütze beides gar?

Drei nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Beispiele systemdevoter Rituale:

SPIEGEL ONLINE-Kolumnist Christian Stöcker ist Kognitionspsychologe und seit Herbst 2016 Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW).

Er veröffentlichte am 02.09.2018 bei S.P.O.N seine fulminante Kolumne »Wie man Nazis erkennt«, wenngleich er Phrasen nicht auslässt, etwa: »Es gibt aber keine Demonstrationen, bei denen grölende Nazis mitlaufen, die trotzdem keine Nazi-Demonstrationen sind. Es ist wie mit Hühnerbrühe: Nur ein paar Tropfen Blausäure, und schon ist die schöne Suppe völlig ruiniert.« Dass die Hühnerbrühe ihrerseits „nur ein paar Tropfen Blausäure“ an der Entfaltung ihres tödlichen Potenzials hindert, auf so eine Idee kommt der Verfasser nicht.

Sein Schlusssatz allerdings

»Wenn Sie allerdings selbst den industriell organisierten Massenmord an Millionen von Menschen für eine gute Idee halten, hoffe ich, dass Sie ab heute jede Nacht von Menschen träumen, die verzweifelt aufeinander klettern, um dem Gas zu entkommen. Und dann schreiend aufwachen. Vielleicht hilft das ja.«

hat für mich den Wert eines Kalauers, was ich ihm per Email mitteilte:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Christian Stöcker,
 
Ihre Kolumne in allen Ehren, auf den Kalauer des letzten Satzes allerdings hätten Sie besser verzichten, oder besser noch, durch einen Hinweis auf den »industriell organisierten Massenmord an Millionen von Menschen« dieser Tage ergänzen sollen: Kraus-Maffei-Wegmann, Rheinmetall, Diehl und Heckler & Koch lassen grüßen.
 
Sie wissen doch:
 
Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien mit einer Bilanz dieser westlichen, zumeist völkerrechtswidrigen Interventionskriege von mittlerweile 1,5 Millionen Menschenleben und zig-Millionen Flüchtlingen ist die obszöne Reputation, die sich mit der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“ verbindet, die mal als NATO, mal als Coalition Of The Willing, mal als Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat Staaten überfällt.
 
Wie kann es sein, dass der Alliierte, die BRD, seit 1999 aktiv dabei ist, wenn es darum geht, fremde Nationen, muslimische, kurz und klein zu schlagen, deren Bürgerinnen und Bürger massenweise zu töten oder in die Flucht zu schlagen und die meisten finden es gut? – „Die Medien zumal!“

Was ist das doch für eine elende Heuchelei. „Die Medien“ und die Falken deutscher Politik, die ununterbrochen Feindbilder erzeugen und pflegen, haben dieses gesellschaftliche Klima über zwei Jahrzehnte geschaffen und beklagen sich heute über die Früchte, die sie ernten – wie pervers ist das denn.
...
 
Seine prompte Antwort:

»Hallo Herr Beineke,

mir ist unklar, wo Sie da einen "Kalauer" erkennen. Der letzte Absatz ist bitter ernst.
Und was den Rest angeht: Googeln Sie doch mal den Begriff "Whataboutism".

Viele Grüße
Christian Stöcker«

Meine Beanstandung: Dieser Professor, Hochschullehrer zumal, arbeitet sich am Symptom ab und lässt die Anamnese geflissentlich aus. Das halte ich für unseriös, zumal er mit seinen Veröffentlichungen selbstverständlich auch Einfluss nehmen und Botschaften in die Welt setzen will (wogegen nichts zu sagen ist).
Von einem Professor allerdings erwarte ich nicht nur Meinung, sondern systemisches Denken und valide Information.
...

Und dann kommt so ein Oberschlaumeier wie Außenminister Heiko Maas (SPD) daher:

»Die "Jahre des diskursiven Wachkomas" müssen ein Ende haben, findet er. Er fordert die Bürger zu mehr Einsatz im Kampf gegen Rassismus und zur Verteidigung der Demokratie auf: "Es hat sich in unserer Gesellschaft leider eine Bequemlichkeit breitgemacht, die wir überwinden müssen", sagte er der "Bild am Sonntag". "Da müssen wir dann auch mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen."«

War dieses beanstandete Verhalten nicht genau das, was die Damen und Herren des besagten „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“ über Jahrzehnte gehegt und gepflegt und schamlos ausgenutzt haben?

Dieses Kartell hat sich seit ihrer AGENDA 2010 nicht für die Befindlichkeiten der Bürgerinnen und Bürger interessiert, hat uns seine Politik des systematischen Besitzstandsklaus und der Prekarisierung der Bevölkerung rücksichtslos übergestülpt, während es Finanzwirtschaft und multinationalen Konzernen gleichzeitig devot die Wege für deren Beutezüge (auch Kriege) ebnete.

Wenn Herr Maas jetzt listig die Solidarität der Bevölkerung einfordert, dann doch wohl nur im Sinne dieser verkommenen Politik, die uns die Suppe eingebrockt hat. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass uns seine Spezies selbst noch für völkerrechtswidrige Angriffskriege agitierte.

Soll er doch Sahra Wagenknechts Sammelbewegung aufstehen aktiv unterstützen, statt aufstehen zu predigen! Dann wäre er glaubwürdiger!
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„Tagesthemen“: ARD-Moderatorin bringt Wagenknecht in Bedrängnis

So lautet eine aktuelle, offensichtlich abgestimmte Medien-Überschrift hämisch. Sahra Wagenknecht hat am 04.09.2018 bekanntlich die Sammelbewegung aufstehen offiziell vorgestellt – die von den unfreundlichsten Kommentaren bissig niedergemacht wird, statt eine Dynamik der Veränderung positiv zu begleiten, die eine grundsätzliche Neuorientierung der politischen Paradigmen bewirken möchte. – Immerhin eine Chance für mehr Bürgerinnen- und Bürgerzufriedenheit.

Anders als bornierte Politiker und Medienmitarbeiter uns nämlich laufend indoktrinieren, ist soziale Ungerechtigkeit »die Mutter aller Probleme«.

Auch ARD-Moderatorin Caren Miosga hinterfragt systemgetreu und devot die Haltung der #aufstehen-Bewegung – und sie bestimmt den Aktionsschwerpunkt:

»Warum haben Sie es in der vergangenen Woche nicht vermocht, mit dieser wachsenden Bewegung gegen Gewalt von rechts in Chemnitz aufzustehen?«, konfrontierte die ARD-Moderatorin Sahra Wagenknecht in der „Tagesthemen“-Sendung am Abend des 03.09.2018.

Es ist ihr Versuch, Sahra Wagenknecht im Sinne dieser systemgetreuen Moderatorin zu disziplinieren – lachhaft geradezu insofern, als sei mit bravem Wohlverhalten „Systemwiderstand gegen den Status quo“ zu organisieren. Und darum geht es letztlich, nicht um „Gewalt von rechts“, wie es die Moderatorin manipulierend nannte.

Dass so viele Menschen in Chemnitz auf die Straße gehen, zeige vielmehr sinnbildlich die Versäumnisse der etablierten Parteien. „Die Politik hat über die Menschen hinwegregiert“, so dann auch das Kontra Sahra Wagenknechts.

Miosgas Vorwurf bezeichnete sie als „bösartige Unterstellung“. Aktivisten der Sammelbewegung seien selbstverständlich in Chemnitz gewesen.
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Fazit

Das Gemeinwesen „Staat“ macht für mich nur Sinn, wenn es Gemeinwesen „zum Wohle aller“ organisiert und nicht, wie das „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“ seit Gerhard Schröder (SPD) die wunderbare Geldvermehrung der Reichen und Superreichen.

Was sich jedoch in Deutschland vollzieht (und nicht nur hier), ist in diesem Sinne eine Pervertierung der Gesellschaft, verursacht und gepflegt primär im Rahmen einer symbiotischen Kultur der Kumpanei zwischen den fiskalisch/militärischen Machthabern, Politikern und Medien – wogegen sich mein Protest richtet!
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