Homepage eines zornigen Bürgers


Protest-Email an Bundespräsident Joachim Gauck vom 15. Juli 2016

Nach dem Anschlag in Nizza mit Dutzenden Toten am 14. Juli 2016 berichtete SPIEGEL ONLINE:

»Bundespräsident Joachim Gauck sprach von "einem Angriff auf die gesamte freie Welt" und einem "brutalen Anschlag auf friedlich feiernde Menschen". Er habe mit Entsetzen bei seinem Staatsbesuch in Uruguay von dem Anschlag erfahren und dem französischen Präsidenten seine Anteilnahme ausgesprochen. Der Anschlag gelte den Werten der französischen Revolution, "die auch unsere Werte sind".«

Dieses Auftreten des Bundespräsidenten, der uns Bürgerinnen und Bürger auch schon mal gerne für Krieg als Ultima Ratio agitierte, empörte mich so sehr, dass ich ihm eine Protest-Email sandte:

Herrn Bundespräsident Joachim Gauck

Spreeweg 1
10557 Berlin

Per E-Mail: bundespraesidialamt@bpra.bund.de

15. Juli 2016

Bundespräsident Joachim Gauck sprach von "einem Angriff auf die gesamte freie Welt" und einem "brutalen Anschlag auf friedlich feiernde Menschen", so SPIEGEL ONLINE am 15. Juli 2016 anlässlich des Terroranschlags von Nizza.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

Joachim Gauck | Bildquelle: Siegbert Pinger / pixelio.de

als Bürger der Bundesrepublik Deutschland möchte ich Sie fragen, worin sich eigentlich die Gewalt- und Tötungshandlungen des IS von denen der „westlichen Wertegemeinschaft“, wie Sie gemeinhin zu sagen pflegen, unterscheiden? Doch allenfalls in ihren Dimensionen – jedenfalls nicht in ihrer Brutalität. Menschen verbrannten und verbrennen auch nach Bombenattacken des Westens bei lebendigem Leibe. 

"Mittlerweile zeichnet sich ab, dass der IS aus seinem Kerngebiet in Nahost heraus Aktivitäten in weiteren auswärtigen Gebieten plant oder versucht, sich in die Arbeit von dschihadistischen Gruppen vor Ort einzubringen", erklärte uns BND-Präsident Schindler im Interview mit SPIEGEL TV. 

Und der Westen reibt sich die Augen, wundert und empört sich über Terroranschläge auf eigenem Territorium. Seine einzige und immerwährende Strategie heißt Eskalation der Gewaltspirale. Er verfügt ja über die gute verbrecherische Gewalt. 

Was die Politiker in ihrer blinden Arroganz nicht wahrhaben wollen: Die Eigendynamik der Gewaltspirale hat ihnen längst alle Gestaltungsspielräume geraubt. Sie sind Gefangene ihrer eigenen Politik, in der sie Krieg zur legitimen Ultima Ratio von Staaten hochstilisiert haben.

Wer den Terrorismus dieser Tage verjagen will, muss die Politiker dieser Tage verjagen, denn die sind die Hauptverursacher. Sie haben den Terror in Europa möglich gemacht.

Begründung 

Die Staaten der Europäischen Gemeinschaft haben sich faktisch längst zu einem supranationalen Angriffsbündnis zusammengetan. Sie und Frau Merkel nennen es heuchlerisch und hochmoralisch "westliche Wertegemeinschaft", die in Wahrheit ein westliches Angriffsbündnis darstellt und das wie ein Kameleon agiert, mal als EU, mal als NATO, mal als Coalition Of The Willing, augenblicklich als Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat.

Ich erlaube mir, zu erinnern: 

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Serie von Jugoslawienkriegen, die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren. Vom 24. März bis zum 10. Juni 1999 führte die NATO unter Einsatz von über 1.000 Kampfflugzeugen eine der massivsten Luftkriegsoperationen der Militärgeschichte durch, völkerrechtswidrig. 

Nach serbischen Angaben fielen den Bombardements 2.500 Menschen zum Opfer. 

Es waren skandalöser Weise der SPD-Mann und Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie der grüne Joschka Fischer – von 1998 bis 2005 Bundesminister des Auswärtigen Amtes und Stellvertreter des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland –, die 1999 maßgeblich die deutsche Beteiligung am völkerrechtswidrigen Kosovokrieg betrieben, wodurch erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Soldaten an einem Krieg beteiligt waren. Ein Novum, das unrühmlicher nicht sein könnte. – 

Sie beide organisierten den deutschen Tabubruch und wurden so zu Wegbereitern zukünftiger völkerrechtswidriger Angriffskriege unterschiedlicher „Coalitions Of The Willing“ der westlichen Wertegemeinschaft! 

Der Krieg in Afghanistan seit 2001, der mit der US-geführten Intervention im Herbst 2001 eingeleitet wurde, fand unter Beteiligung auch der Bundesrepublik Deutschland statt. Soviel man weiß, haben die Amerikaner am Hindukusch in dreizehn Jahren für die Vernichtung von Menschen und deren Lebensraum ca. ¾ Billion Dollar ausgeben.

Auch Deutschland hat tote Afghanen zu verantworten. Die mit Abstand größte Zahl von Opfern durch einen Einsatz der ISAF war Folge einer Bombardierung durch US-Flugzeuge am 4. September 2009, die von Deutschen angefordert worden war. Der heutige Brigadegeneral und damalige Oberst der Bundeswehr Georg Klein war Befehlshaber dieses Luftangriffs bei Kunduz. Nach NATO-Einschätzung wurden dabei bis zu 142 Menschen, darunter auch Kinder, getötet oder verletzt. 

2003 begannen sie den Irakkrieg, der bis Ende 2011 mindestens 110.000 getötete Zivilisten forderte. Die Amerikaner organisierten nach einem inszenierten Lügenauftritt mit Colin Luther Powell im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen am 5. Februar 2003 unter Beteiligung von nahezu 50 westlichen Staaten völlig gegen Völkerrecht eine „Coalition Of The Willing“ und fielen in den Irak ein. Der UN-Sicherheitsrat hatte seine Einwilligung für einen solchen Überfall gerade zuvor abgelehnt. Zahlreiche Staaten dieser Koalition wollen heute an ihre Schandtat nicht mehr erinnert werden.

Mit dabei auch folgende EU-Staaten: Bulgarien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn.

15 Jahre lang hat der Westen mit seinem „Global War On Terrorism“ (George. W. Bush) die Heimat, die Lebensgrundlage von Millionen Menschen zerstört und Menschen auf bestialischste Art und Weise getötet. Der gesamte Nahe Osten ist in Brand gesteckt worden. Dabei ließen die USA die Entstehung des IS bewusst als einen destabilisierenden Faktor zu. Das Letzte, das sie in dieser Region (wie zuvor auch schon woanders) wollten und wollen, ist Stabilität. Der Türkei war der IS willkommen, da er ihr in ihrem Kampf gegen die Kurden behilflich war, und Saudi-Arabien ist der Hauptsponsor der regionalen Terrorgruppen – um nur einige der vielen Entstehungskomponenten zu nennen. 

Und wieder sind sie völkerrechtswidrig unterwegs, haben den Bürgerkrieg in Syrien gar internationalisiert. Mit von der Partie in der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz IS die EU-Staaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern.

Man geht gegenwärtig von 250.000 bis 400.000 Toten aus und von 10 Millionen syrischen Kriegsflüchtlingen, davon 4,6 Millionen, die nach Europa wollen, und das in der kurzen Zeit seit 2011. 

In der Zwischenzeit ist der gesamte Nahe Osten in Schutt und Asche gelegt, und die Karawane des Todes zieht weiter Richtung Nord-Afrika.

Doch es gibt viele Ignoranten, die das alles nicht wahrhaben wollen. 

Selbst Sie agitieren die Bevölkerung für kriegerische Einsätze der Bundeswehr.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Bundespräsident und Theologe Joachim Gauck antwortet jenen 67 Pfarrern, die ihn in einem offenen Brief dafür kritisiert haben, schriftlich und argumentiert, ohne Einsatz bewaffneter Kräfte z. B. sei keine Befreiung von der Hitlerdiktatur möglich gewesen wäre. Sowohl der Papst als auch die evangelische Kirche in Deutschland hätten in entsprechenden Äußerungen Krieg als Mittel der Friedenssicherung oder als letztes Mittel anerkannt, um Krieg und Völkermord zu beenden.

Und da ist sie wieder, die fatale, Krieg rechtfertigende Gesinnung selbst ernannter Götter, die den Zweiten Weltkrieg überhaupt erst möglich machte. – Die Gruppe der 67 Pfarrer begehrte, dass Sie auf gewaltlose Lösungen setzen. 

Kriege haben keinen einzigen Konflikt gelöst aber um unsägliches Leid der Menschen erweitert. Er wurde und wird möglich, weil sich intellektuelle Brandstifter und größenwahnsinnige Schurken für privilegierte Götter halten, uns den Krieg vor dem Hintergrund ihrer pathologischen Deutungsmentalität als Ultima Ratio zu verkaufen und denen es gelingt, selbst noch das Volk in diesem Sinne ebenso skrupellos wie pathologisch zu agitieren. "... Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?“ Natürlich erwartete Goebbels von den Gästen am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast ein lautes „Ja“ - und er erhielt es auch! 

Seit dem Niedergang der Sowjetunion fällt diese „westliche Wertegemeinschaft“ für den Global War On Terrorism völkerrechtswidrig in unterschiedlichen Konstellationen in Staaten ein, macht ganze Regionen platt, tötet Menschen zu Hunderttausenden, schafft millionenfaches Flüchtlingselend. – 

Und wundert sich, wenn der Global War On Terrorism sie selbst in Form von Terrorakten einholt.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Beineke 

Auf diese Mail habe ich nie eine Antwort erhalten!

...

Bitte besuche diese Seite bald wieder. Vielen Dank für dein Interesse!

Zum Blog

Blog-Inhaltsverzeichnis 2018


Sitemap